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- 25.07.2007
Führungen mit Peter Schlegel (1)
"Im Brenzpark ist immer was los"
Unser Brenzpark. So schön! Fast so schön wie die Landesgartenschau im vorigen Jahr. Aber erst mal muss man reinkommen. Es war richtig und wichtig, das Gelände einzuzäunen (wir werden noch darauf zurückkommen) und ein eher symbolisches Eintrittsgeld von 1 Euro zu verlangen. Weil Kassenpersonal zu teuer wäre, hat man jetzt an allen Eingängen Automaten aufgestellt, die komplizierter sind als die Fahrscheinautomaten der Deutschen Bahn. Gut, dass Frau Eder noch da ist! An diesem sonnigen Juli-Sonntag, berichtet sie, hat sie jeden einzelnen Parkbesucher in die Bedienung des Automaten eingewiesen und dann sozusagen manuell in den Park bugsiert: Passendes Geld einwerfen (notfalls vorher wechseln), den richtigen Knopf drücken und dann husch, husch durch das Drehkreuz - Frau Eder schubst ein bisschen von hinten, aber "ja nicht vorne drücken!" Dauerkartenbesitzer haben es etwas einfacher: mit der Karte vor dem Sensor wedeln, Signalton abwarten und dann husch, husch usw. Mit diesen Automaten wird es, wenn Brigitte Eder nicht mehr da ist, noch Ärger geben. Aber man wird eine Lösung finden, wie immer in diesem Park. Das System bietet übrigens faszinierende Betrugsmöglichkeiten, die wir hier nicht beschreiben: Wer genug kriminelle Energie besitzt, kommt selber drauf. Aber Brenzpark-Besucher sind wohl eher nicht kriminell veranlagt.
Wer eine kostenlose Führung mit Peter Schlegel gebucht hat, spaziert bequem durch das breite Tor des Badhaus-Eingangs. Schlegel, gelernter Modellbauer, heute "Unruheständler", hat eigentlich "null Ahnung vom Gartenbau", aber diesen Park kennt er wie seine Westentasche. Im Vorstand des Brenzpark-Vereins ist er für Mitgliederwerbung und Veranstaltungen zuständig. Vorbei am neuen "Fließenden Blau" über das "Umlaufgerinne", das immer noch auf einen netteren Namen wartet, geht es zum "roten Teppich", und Peter Schlegel erzählt von den schwierigen Anfängen. Schon im Februar 2005 hatte er die ersten Führungen über das noch wüstenhafte Gartenschau-Gelände gemacht. Die Heidenheimer und "besonders die Schnaitheimer" mussten überzeugt werden, dass hier nicht "ihr Geld zum Fenster rausgeschmissen wird". Und siehe da, ein Jahr und mehrere Führungen später sprachen die Leute schon von "unserem Park", und die Begeisterung zog sich bekanntlich durch die ganze Gartenschau. Inzwischen haben wir den Treffpunkt Grün erreicht _ hurra, das Restaurant ist geöffnet, da kann man nachher lauschig sitzen und zu Mittag essen! Die Gastronomie im Brenzpark ist ein Kapitel für sich und eine eigene Geschichte wert. Vorbei am neuen Boule-Platz, dem wunderschönen neuen Raritätengarten und der schicken Kneipp-Anlage, geht es zum Aroma- und Kräutergarten, der von Kirsten Schröder-Behrendt, von ihren Vorstandskollegen liebevoll "Kräuterhexe" genannt, ebenso liebevoll gepflegt wird. Ein bisschen schnuppern und dann weiter zu den Bienen. In einer bunten Blumenwiese stehen die Sandstein-Bienenstöcke der Heidenheimer Künstlerin Jeannette Zippel, die mit ihren vielen kleinen Löchern Wildbienen anlocken sollen, was sie auch tun. Durch die Wiese schlängeln sich schmale Wege, die den Schwänzeltanz der Bienen darstellen sollen, und die Imker haben neben ihrer Hütte einen kleinen Bienenstock aufgestellt; dort kann man durch eine Glasscheibe beobachten, wie die Honigbienen Waben bauen und mit Nektar füllen - wieder was gelernt! Nebenbei erzählt Peter Schelgel, wie der Brenzpark-Verein entstanden ist. Schon während der Landesgartenschau wurde klar, dass der Park erhalten bleiben sollte und zwar möglichst bunt und lebendig. Ein Förderverein musste her. Neun Aktive waren da, das reichte um einen Verein zu gründen, aber würde man es schaffen genügend Mitglieder zu gewinnen? Die Angst war unbegründet: Am Abend des Gründungstags, dem 30. August 2006, hatten exakt 378 neue Mitglieder ihre Anmeldungsformulare in einen rasch organisierten Pappkarton geworfen. Am 3. Oktober waren es 1000 und Anfang Juli 2007 schon über 2000 Mitglieder. Was für ein Verein! Die Mitglieder sind nicht verpflichtet, im Park zu arbeiten, aber viele tun es mit Begeisterung (wir werden darüber berichten). Wie klappt denn nun die Zusammenarbeit zwischen der Eigentümerin des Parks, der Stadt Heidenheim und den vielen ehrenamtlichen Helfern? "Die Zusammenarbeit ist nicht gut", sagt Peter Schlegel, freut sich über die entsetzte Reaktion seiner Zuhörerin und fügt hinzu: "Die ist sehr gut!" Wenn es Probleme gibt, und natürlich gibt es die, "dann wird nicht nach Schuldigen gesucht sondern nach Lösungen". Das war schon vor Beginn der Landesgartenschau so. Anfang Mai 2006, zehn Tage vor der offiziellen Eröffnung, war im Raritätengarten am roten Tor, dem Haupteingang, noch keine einzige Pflanze gesetzt _ es war schlichtweg wieder mal zu kalt auf der Ostalb. Also hat man mit Warmluftgebläsen den Boden aufgetaut, dann gepflanzt und laufend mit lauwarmem Wasser gegossen. Es hat funktioniert, und pünktlich zur Eröffnung war auch die Sonne da, dem Tüchtigen hilft das Glück! Die eindrucksvollsten Erlebnisse waren für die Schlegel die Spezialführungen, die er für Kinder, für sozialschwache und alte Menschen, und nach entsprechender Schulung, sogar für Blinde durchgeführt hat. "Die Begeisterung und die Dankbarkeit dieser Menschen", sagt er, "das ist mein Lohn." Damit im Brenzpark auch im Jahr nach der Gartenschau "immer was lost ist", hat Schlegel zusammen mit seiner Vorstandskollegin Christa Zembsch einen Kleinkunstsommer im Park organisiert. Die Veranstaltungen sollen nicht Tausende anlocken, aber für jeden etwas bieten: Marionettentheater, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und vieles mehr. Die Termine für Juli und August stehen fest, die September-Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Ingrid Roth
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