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- 01.08.2007

Rudolf Schäfer und seine Helfer (2)

Die Arbeit erspart das Fitness-Studio

Hier ein verblühtes Tagetes- Köpfchen abknipsen, da ein paar welke Rittersporn-Blüten abschneiden, und da hat sich doch tatsächlich eine große Distel zwischen die Gräser gemogelt - raus damit! Die Sonne scheint, die Erde im Brenzpark ist noch feucht vom letzten Regen, Gartenarbeit macht Freude, und "der Weise geht in den Garten", wussten schon die alten Chinesen. Andererseits, zu Hause wartet ein riesiger Garten, der auch gepflegt sein will. "Warum tun Sie sich das an, Frau Schmid? Warum arbeiten Sie hier freiwillig, ehrenamtlich, regelmäßig, bei jedem Wetter?" "Warum nicht?" lautet die schlichte Antwort. "Die Landesgartenschau war so wunderbar. Da ist es doch selbstverständlich sich zu engagieren."

Ursula Schmid gehört zum harten Kern von gut 20 freiwilligen Helfern, die jede Woche ein- bis zweimal zur Arbeit im Brenzpark antreten. Ihr Kollege Norbert Pfeiffenberger sieht es ganz praktisch: "Diese Arbeit erspart mir das Fitness- Studio." Gut, dass "Obergärtner" Rudolf Schäfer vor gut vier Jahren in den Ruhestand gegangen ist, jetzt ist er fast täglich in "seinem" Park. Er teilt die Hilfsgärtner ein, plant, pflanzt, gießt, schnippelt und hat den totalen Überblick. Das ist nötig, denn die Zuständigkeiten sind aufgeteilt.

Die Stadt Heidenheim ist für das Mähen zuständig - dabei "helfen" die lustigen bunten Gartenschau-Schafe, die sich erfreulicherweise wieder eingefunden haben, und die Stadtgärtner pflegen auch den roten Teppich, der etwas verkürzt wurde, aber immer noch sehr effektvoll ist. Für die szenischen Gärten, das elegante langgezogene Staudenbeet entlang der Bahnlinie, ist die Firma Hötzsch zuständig. "Und die machen das sehr gut", sagt Rudolf Schäfer. Die Leute vom Obst- und Gartenbauverein pflegen hingebungsvoll ihren Schaugarten und eine Streuobstwiese, die Imker und der Marineverein haben ihren eigenen Bereich, aber alles andere macht der Brenzpark-Verein.

Dazu gehören unter anderem der Clematis-Garten am Festplatz- Eingang und das neue fließende Blau beim Badhaus - "an den Eingängen muss es blühen", sagt Rudolf Schäfer. Der neue Raritätengarten im Herzen des Parks ist so eindrucksvoll, dass niemand die Blumenhalle vermisst, die voriges Jahr noch an dieser Stelle stand. Natürlich gibt es gelegentlich Diskussionsbedarf an den Schnittstellen zwischen Stadt, Profis und Ehrenamtlichen. "Man muss schon aufpassen, dass man den freiwilligen Helfern nicht zu viel zumutet", sagt Rudolf Schäfer. Aber man redet miteinander, und bisher hat man alle Probleme schnell in den Griff bekommen.

Eine Gartenschau ist eine Show, sie will für begrenzte Zeit blühen und beeindrucken und zieht dann weiter. Ein auf Dauer angelegter Park hat eine andere Struktur. Deshalb hat man während der Rückbauphase im Spätherbst alle Stauden eingesammelt und eingeschlagen, um im Frühjahr neue dauerhafte Beete anzulegen. In dieser Zeit war das Gelände teilweise frei zugänglich und es kam zu sehr unangenehmen Vorkommnissen. Einige Heidenheimer fuhren tatsächlich mit Plastikwanne und Klappspaten im Kofferraum vor und bedienten sich. Aber Obergärtner Schäfer hat sie gesehen und "wird sie sich merken!" Parkführer Peter Schlegel wurde von einem Pflanzendieb sogar bedroht, aber er hat "seine" Pflanzen standhaft verteidigt.

Zu den originellsten Aufgaben von Rudolf Schäfer gehört die Betreuung der Kindergartenkinder, die die Gärten der Partnerstädte pflegen. Eine schöne und pädagogisch wertvolle Aufgabe für die Kinder, finden alle Beteiligten; das Problem ist nur, dass ihnen kaum zu vermitteln ist, was der Unterschied zwischen Unkraut und "gewollten" Pflanzen ist. Also hat sich Schäfer etwas anderes einfallen lassen. Die Kinder dürfen jetzt die Streifen zwischen den Gärten beackern, also häckeln, rechen, bepflanzen und vor allem gießen. Das tun sie mit großer Begeisterung - und die Pflege der Partnerschaftsgärten erledigen Schäfer und seine Hilfsgärtner so nebenbei. Eine Gruppe von sechs älteren Herren hat sich eine besondere Aufgabe gestellt.

Abwechselnd treten sie jeden Morgen an und sammeln Abfälle auf - deshalb sieht der Park immer picobello aus. Auch das beliebte "Grüne Klassenzimmer" wird vom Verein betreut. Der lichte Pavillon, der voriges Jahr von den Forstwirten genutzt wurde, ist ein gutes Beispiel für die Veränderungen, die nötig waren, um den Park und seine Einrichtungen das ganze Jahr über zu nutzen. Sämtliche Strom- und Wasserleitungen im Park waren nämlich sommerliche Provisorien, die teilweise nur zehn Zentimeter unter der Erde lagen. Sie wurden vorschriftsmäßig in frostsichere Tiefen verlegt, verschiedene Gebäude bekamen eine Heizung und Waschräume, alle Einrichtungen, besonders die Spielelandschaft, mussten vom TÜV geprüft werden. Das hat viel Eigenarbeit von Vereinsmitgliedern und auch viel Geld gekostet.

Deshalb sollten an dieser Stelle die Sponsoren, allen voran die Kreissparkasse und die Volksbank, lobend erwähnt werden. Als Mitglied des Gemeinderats hat Rudolf Schäfer viele Landesgartenschauen besucht und konnte auch beobachten, was nach der Schau geschieht. Häufig sind nach einigen Jahren von der Schau nur noch Wiesen und Bäume übrig, einige wenige Städte können es sich leisten, den Park zu erhalten, hier und da werden Fördervereine gegründet, aber die Heidenheimer Kombination von Förderverein und ehrenamtlichen Helfern als Partner der Stadt ist außergewöhnlich. Wer jetzt Lust bekommen hat, im Brenzpark mitzumischen, meldet sich einfach bei Rudolf Schäfer, Tel. 0717.4804242.

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