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- 22.08.2007

Schaugarten der Obst- und Gartenbauvereine im Brenzpark (5)

Beeren-Naschen ist erwünscht

Turbo-Apfelbäumchen, dornenlose Brombeeren, Johannisbeer-Hecken, viele Blumen und mittendrin eine Villa mit Schlossblick: der neue Schaugarten der Obst- und Gartenbauvereine im Brenzpark ist ein Eldorado für Hobby-Gärtner. Dass sich der Kreisverband mit seinen 5 600 Mitgliedern in 31 Ortsvereinen an der Landesgartenschau im vorigen Jahr beteiligt hat, war natürlich ein Muss, sagt der erste Vorsitzende Wilhelm Hübscher. Die Weiterführung des üppigen Schaugartens war freiwillig und mit viel Arbeit verbunden - was man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht. Den Mittelpunkt des Gartens bildet das neue Vereinsheim, ein eleganter perfekt ausgestatteter Pavillon, dem man wirklich nicht mehr ansieht, dass er während der Gartenschau den Kleintierzüchtern als Hasenstall gedient hat. Diese "Wachs-Villa" verdankt ihren Namen nicht etwa dem Geschehen in ihrem Umfeld, er ist eine Reverenz an das Vereinsmitglied Wolfgang Wachs, der sich beim Bau des Pavillons ganz besonders engagiert hat. Gleich neben der Villa steht eine akkurate Reihe kompakter Apfelbäumchen. Diese "schlanken Spindeln" sind mannshoch, also erntefreundlich, und sie werden auch nicht höher, sofern sie auf die "Unterlage M9" gepropft wurden - einer der gar nicht so geheimen Geheimtipps der Obst- und Gartenbauer. Die sind übrigens jeden dritten Sonntag im Monat im Brenzpark und bieten Beratung, Bewirtung und geselliges Beisammensein, auch ein Briefkasten für alle Gartenfragen soll eingerichtet werden. Warum bei 31 Ortsvereinen nicht jedes Wochenende jemand Dienst machen kann? Das wäre zu viel verlangt, meint Wilhelm Hübscher. Die Mitglieder haben eigene Gärten, betreuen auch den Obstlehrgarten in Bergenweiler, und viele pflegen ehrenamtlich die öffentlichen Grünflächen in ihren Heimatgemeinden. Es findet sich allerdings immer jemand, der die Apfelbäumchen gießt. Diese sind, was ungewöhnlich ist, auf einen Damm gepflanzt. Das ist kein weiterer Geheimtipp, sondern eine Notlösung. Unter dem 2 000 Quadratmeter großen Gelände verläuft nämlich eine alte Straße, die Humusschicht ist ganze 25 Zentimeter dick. Für das "Provisorium Landesgartenschau" war das kein Problem. Um Bäume zu pflanzen, hatte man einfach den Asphalt im Pflanzloch aufgehackt, aber auf Dauer würde dort kein Baum wachsen. Also hat man die Hochstämme in die nahe gelegene Streuobstwiese verpflanzt, und die kleinen Bäumchen kamen eine Etage höher auf einen Damm, der mit Grasschnitt gemulcht wird. Gleich daneben kann man sehen, dass Johannisbeeren auch als Bäumchen oder als Drei-Ast-Ecke bestens gedeihen, man kann sich die schönsten Himbeersorten aussuchen und Brombeeren naschen - das ist nämlich in diesem Garten ausdrücklich erlaubt. Noch ein heißer Tipp: Navaho heißt die perfekte Brombeere, dichtes grünes Laub, große Früchte und keine Dornen. Im Herbst wollen die Beerenspezialisten des Vereins nach weiteren interessanten Beerensorten fahnden. Zu diesem Zweck werden schon seit 30 Jahren Lehrfahrten durchgeführt. Man steht in engem Kontakt mit Universitäten und Erzeugern in halb Europa. Eine Fundgrube sind dabei übrigens die neuen Bundesländer: in der DDR war nämlich kein Geld für Pflanzenchemie vorhanden, deshalb mussten sich die Erzeuger auf das Züchten resistenter Sorten konzentrieren, und das haben sie mit großem Erfolg getan. Pflanzenschutz - das Wort "Spritzen" hören die Obstbauer gar nicht gern - muss dennoch sein, aber nur mit biologischen Mitteln, reifende Früchte werden gar nicht mehr behandelt. Deshalb darf also bedenkenlos genascht werden. Erfreulich ist, dass in diesem Garten noch nie etwas zerstört oder "mitgenommen" wurde. Eine willkommene Ergänzung ist der Beitrag des Hauptsponsors: die "Kompostschau" des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs ist nicht nur lehrreich, sondern wird auch gebraucht. Wie viele Vereine haben auch die Obst- und Gartenbauer das Problem, dass der Altersdurchschnitt der Mitglieder etwas hoch ist. Das ist nicht weiter schlimm, findet Wilhelm Hübsch, schließlich kann man Gartenarbeit auch mit siebzig oder achtzig noch machen, aber es ist kein Fehler, sich um Nachwuchs zu kümmern. Da kommt die Zusammenarbeit mit dem "Grünen Klassenzimmer" gerade recht, und auch für das Kinderferienprogramm hat man schon fünf Termine vorbereitet. Wilhelm Hübscher blickt zufrieden auf die sommerlich blühenden Staudenbeete, die den "Hausgarten" umrahmen und freut sich schon auf das neue Rosenbeet, das im Herbst angelegt werden soll. Er ist stolz auf die Leistung des Vereins - und dankbar für die großzügige Unterstützung der Stadt Heidenheim. So funktioniert Ehrenamt: "Man kann nicht sagen: Staat, mach du. Man muss auch etwas geben", findet er. Und wenn es im Verein mal Stress und Chaos gibt, dann hat er eine einfache Lösung: "Jeder Frust verschwindet im Garten.

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