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- 08.08.2007

Marinverein sorgt für Bewegung (3)

Bootstouren quer durch den Park

Der Heidenheimer Marineverein ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Brenzparks. Marine? In Heidenheim, fast 800 Kilometer von der Nordsee entfernt? Die Erklärung ist einfach. Bekanntlich gab es auf der Schwäbischen Alb auch einmal magere Zeiten, und da suchten viele Heidenheimer ihr Heil auf der See, bei der Handels- und später bei der Kriegsmarine. Im Ruhestand kehrten die Seeleute in die Heimat zurück - und gründeten einen Stammtisch. Diese "Marinekameradschaft" bildet bis heute den harten Kern des Marinevereins, und es gibt immer noch Nachwuchs, z. B. den stellvertretenden Vorsitzenden Stephan Bauer, der seinen Wehrdienst bei der Bundesmarine abgeleistet hat. Von seinem Vater hat er übrigens den norddeutschen Akzent übernommen, was gut zu einem Marineverein passt. Den zweiten, den sportlichen Schwerpunkt, bildet die Marinejugend. Die übt sich im seemännischen Fünfkampf: Kutterpullen (Kutter sind bullige Boote für acht Ruderer plus Steuermann), Knoten, Leinen werfen, Laufen und Schwimmen. Die zahllosen Pokale im Vereinsheim zeigen, dass die Jugend mit viel Eifer und Erfolg an Wettkämpfen teilnimmt, auf der Brenz und in ganz Europa. Natürlich wird auch gesegelt. Der Verein besitzt 15 Boote in der Nähe von Ellwangen und organisiert regelmäßig Segeltörns im Mittelmeer. Und viele der 268 Mitglieder singen regelmäßig und mit Begeisterung im Heidenheimer Shantychor, der dritten Abteilung des Marinevereins. Aber was haben Heidenheimer Seeleute mit dem Brenzpark zu tun? Nun, das äußerst idyllisch unter alten Bäumen an der Brenz gelegene Vereinsgelände war Teil des Landesgartenschaugeländes. Da musste der Verein sich natürlich einbringen, "und wir haben es gern getan", sagt der Vorsitzende Franz Czeisl. Fünf Tretboote stehen bereit, und am Wochenende ist hier immer was los, bei schönem Wetter auch während der Woche. Auf Bestellung gibt es auch geführte Touren mit dem Motorkutter. Gefahren wird zwischen der Schnaitheimer Ballspielhalle im Norden und dem Brenzwehr im Süden, also mitten durch den Park. Das ist auch die Trainingsstrecke der Marinejugend, und wer diese mit dem Tretboot in einer halben Stunde schaffen will, der muss ganz schön treten, sagt Stephan Bauer. Im Frühjahr gab es einen kleinen Konflikt mit den Naturschützern: Wegen einer gefährdeten Vogelart durften die Boote einige Wochen lang nicht in Richtung Wehr fahren. Man hat sich daran gehalten, aber die meisten Vögel sind trotzdem verschwunden. "Vielleicht liegt es daran, dass auch oft Menschen im Park sind", meinen Czeisl und Gauer ganz ohne Ironie. Eine anspruchsvolle Aufgabe ist der Betrieb der Seilbahn. Vier Leute werden dafür gebraucht: einer zum Kassieren, einer zum Anschnallen, einer zum Auffangen (falls nötig) und ein Springer, und alle vier sind (fast) jeden Sonntag zur Stelle. Erst wenn die Schulungskosten "reingeholt" sind - Franz Czeisl rechnet mit zwei Jahren - können neue Seeleute zu Seilbahnern ausgebildet werden, und dann können die jetzt aktiven auch mal in Urlaub gehen. So richtig ins Zeug gelegt hat sich der Verein beim Bau des neuen Marineheims, des mittlerweile dritten in der Vereinsgeschichte. Das erste Vereinsheim entstand 1927, wird heute von den Schnaitheimer Fischern genutzt und beherbergt das Restaurant "Brenzstüble". Daneben entstand 1954 das zweite Vereinsheim mit schönem Garten, Grillplatz und Bootshaus; dort feiert jetzt die Marinejugend. Das neue Marineheim ist dank Gartenschauzuschüssen, Sponsorengeldern und viel Eigenarbeit der ganz große Wurf. Das Restaurant im Erdgeschoss - mit lauschigem Biergarten - ist verpachtet, im Obergeschoss befinden sich Büroräume und ein äußerst großzügiger Gymnastikraum mit Traumblick in den Brenzpark. Geheimtipp: Der Raum fasst bis zu 200 Personen und kann für Veranstaltungen aller Art gemietet werden. Ein kleines Häkchen gibt es an der Geschichte: Durch den Rückbau der Landesgartenschau zum Brenzpark liegt das Marineheim jetzt außerhalb des Parks. Man kann also nicht durch den Park spazieren, im Marineheim essen gehen und wieder durch den Park zurück spazieren, ohne erneut Eintritt zu bezahlen. Aber vielleicht findet jemand eine Lösung auch für dieses Problem. Insgesamt sind die beiden Kapitäne der Heidenheimer Marine rundum zufrieden, die Altersstruktur des Vereins ist gesund, die Mitgliederzahlen sind stabil, und so genießt es Franz Czeisl, "einfach an der Brenz zu sitzen und ins Wasser zu gucken" oder sogar mit seiner Frau Tretboot zu fahren.

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